Punkt 6: Rassewelpe oder Tierschutzhund!? Teil 2

Rassewelpe oder Tierschutzhund Teil 2

Als alternative Möglichkeit zu einem Welpen vom Züchter, kannst du dir auch einen Tierschutzhund aus dem Tierheim oder Tierschutz holen. Viele scheuen den Weg dorthin, in der Annahme, dass es dort keine vernünftigen Hunde gibt. Diese Pauschalaussage ist so nicht richtig und deshalb möchte ich dir diese Alternative zum Welpen genauer vorstellen und dir meine Erfahrungen schildern. Vielleicht kann ich ja auch dich überzeugen, dir einen Hund aus dem Tierheim oder aus dem Tierschutz zu holen. Zumindest hoffe ich, dass ich dich wenigstens dazu bringen kann, darüber nachzudenken. Es gibt jede Menge toller Hunde da draußen, die nur auf eine neue Chance warten.

Tierschutzhund

Ein Tierschutzhund ist ein Hund mit einer Vergangenheit. Diese Vergangenheit ist oft unbekannt oder nur in groben Zügen bekannt. Das heißt aber nicht, dass jeder Hund misshandelt wurde, ein Kettenhund war oder im Keller eingesperrt war. Klar sind solche Hunde auch dabei, aber es gibt welche, die einfach im Tierheim abgegeben wurden, weil sie z.B. drei Monate nach Weihnachten lästig geworden sind. Es gibt auch Hundewelpen die unerwünscht sind und einfach ausgesetzt werden oder in Tierschutzorganisationen abgegeben werden.

Hund aus dem Tierschutz

Luna, ein Hund aus dem Tierschutz

Jedoch gibt es auch Hunde, die traumatisiert sind. Diese können in den richtigen Händen wieder zu einem großen Teil resozialisiert werden. Nur sind diese Hunde etwas für erfahrene Hundehalter, die mit den „kleinen“ Auffälligkeiten umgehen können. Du musst jetzt nicht befürchten, dass du dir die Katze oder besser gesagt, den Hund im Sack holen musst. Ganz im Gegenteil, Tierschutzorganisationen sind bemüht, den richtigen Hund für dich zu finden. Aber auch hier gibt es schwarze Schafe, die sich „Tierschutzorganisation“ nennen, aber dir nur möglichst schnell einen Hund gegen Geld „andrehen“ wollen. Weiter unten empfehle ich dir einen Tierschutzverein, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Hund aus dem Tierheim

Ein Rudel Tierschutzhunde beim trainieren am Hundeplatz

4 Punkte, worin sich der Tierschutzhund vom Rassewelpen unterscheidet

Wenn du bis hierhin bereits gelesen hast, gehe ich davon aus, dass du vielleicht wirklich überlegst, dir einen Tierschutzhund zu nehmen. Für einen schnellen Überblick liste ich hier die 4 größten Unterschiede zum Rassewelpen auf. Dies ist nur eine Richtung und trifft nicht zu 100% auf JEDEN Hund zu, aber damit bekommst du ein Gefühl, was anders ist.

 

  • Hundealter: Ein Tierschutzhund ist meist schon etwas älter, ca. ab einem Jahr aufwärts. Vereinzelt gibt es Welpen und auch viele ältere Hunde. Das heißt, die sehr zeitintensive Welpenphase (Stubenreinheit, Prägungs-/Sozialisierungsphase usw.) hat der Hund meist schon hinter sich.
Hunde aus dem Tierschutz

Jeremy (9) und Luna (5)

  • Rasse: Die meisten Hunde sind Mischlingshunde und eher selten reinrassig. Oft kennt man die Elterntiere nicht und man kann am Aussehen nur „raten“ was da alles mitgemischt hat. Ist aber oft ein nettes Ratespiel, wenn man verschiedene HundebesitzerInnen fragt, aus welchen Hunderassen sich der Hund zusammensetzt. Wenn du dir einen Welpen holst, kann nur grob geschätzt werden, wie groß der Hund einmal werden wird. Wenn du ein bestimmtes Bild im Kopf hast, wie dein Hund aussehen soll, musst du entweder lange suchen oder dich auf die oft faszinierenden und lustigen äußerlichen Erscheinungen von Mischlingshunden einlassen. Es ist kein Fehler, wenn du offen für Neues bist.
Hund aus dem Tierheim

Niki

  • Unbekannte Vergangenheit: Meist ist nicht die komplette Vergangenheit des Hundes bekannt. Du kennst halt deinen Hund nicht von klein auf. Es wird dir immer ein Teil verborgen bleiben. Dafür kannst du ja in Zukunft schöne Erinnerungen und Erfahrungen gemeinsam mit ihm machen.
    Hund aus dem Tierschutz

    Rio – trotz Unfall ein freundlicher und fröhlicher Hund

 

  • Unerwünschtes Verhalten: Wenn dein Hund schon älter ist (>1 Jahr) dann hat er die Sozialisierungsphase schon hinter sich. Diese kannst du sozusagen nicht mehr nachholen und/oder ersetzen. Unerwünschte Verhaltensweisen – die ihm auch möglicherweise vom Vorbesitzer beigebracht wurden – musst du dem Hund abtrainieren. Vielleicht auch Verhaltensweisen, die er aufgrund fehlender Interaktion mit Menschen nicht oder falsch gelernt hat. Dies erfordert meist etwas Zeit, damit sich auch der Hund an die neue Situation anpassen kann.

 

Empfehlung Tierschutzverein

Hier musst du darauf achten, einen seriösen Verein zu finden. Der Verein mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe und von dem auch mein aktueller Hund stammt ist:

Animalhope

 

Auf der Seite vom Verein findest du alle Informationen. Wer hinter dem Verein steht, ein tolles Forum für allerlei Fragen und auch einen Bereich für die Vergabetiere. Hier kannst du dir die Hunde ansehe, die nach einem neuen zuhause suchen.

 

Wie läuft eine Vermittlung ab

Hier erläutere ich dir die einzelnen Schritte, damit ich dir hoffentlich etwas die Scheu vor der Vermittlung nehmen kann.

Phase 1: Telefonisches Kennenlernen

Der erste Schritt ist ein Telefongespräch mit dem Verein. Hier geht es um das erstmalig „beschnuppern“. Wurde schon ein Hund ins Auge gefasst? Wie sind die Lebensumstände? Berufstätig, Kinder, andere Hunde, andere Haustiere, hattest du schon mal einen Hund usw.  Der Verein will dich hier nicht ausspionieren, sondern kennenlernen damit sie dich unterstützen können, den richtigen Hund für dich zu finden. Je genauer und detaillierte deine Angaben sind, desto besser können sie dich bei der Auswahl unterstützen.

Phase 2: Kennenlernen bei der Pflegestelle

Nach dem erfolgreichen telefonischen Kennenlernen, folgt die Kontaktaufnahme der Pflegestelle. Was ist aber eine Pflegestelle? Ein Tierarzt? Ist der Hund krank?

Auf einer Pflegestelle ist der Hund vorübergehend, bis er endgültig vermittelt werden kann. Dies sind meist ehrenamtliche Mitarbeiter und Unterstützer, die selbst einen Hund haben. Diese nehmen den „Pflegehund“ temporär auf, bis er an den neuen Besitzer vermittelt werden kann. Oft verwandelt sich die eine oder andere Pflegestelle in ein neues Zuhause.

Pflegestellen

 

Dies ist für mich der größte Vorteil von einem Tierschutzhund aus diesem Verein, da der Hund auf der Pflegestelle quasi bereits in einer „Familie“ (wie auch immer die aussieht) lebt. Diese sammeln innerhalb kürzester Zeit alle möglichen Informationen über den Hund.

Kann er alleine bleiben?

Verträgt er sich mit anderen Hunden?

Ist er für HundeanfängerInnen geeignet?

Mag er Kinder?

Hat er ev. Futterallergien?

Diese Pflegestellen können dir meist schon sehr genau die Hunde beschreiben, mit allen Vor- und auch Nachteilen. Du kaufst keine Katze im Sack, sondern weißt meist sehr genau, auf was du dich einlässt. Hier ist es Ideal einen Hund auszuwählen, dessen Pflegestelle in der Nähe ist. Du kannst die Hunde dort auch meist öfters besuchen. Dies wird über gemeinsame Spaziergänge oder ähnliches gemacht.

Hund aus dem Tierschutz

Hundelady Emi

Phase 3: Der Einzug ins neue Zuhause

Sollte die Chemie zwischen euch stimmen, steht einer positiven Vermittlung eigentlich nichts mehr im Weg. Es wird ein Vertrag zwischen dir und dem Verein aufgesetzt, dass du der/die neue BesitzerIn des Hundes bist. Hier wird dann auch eine Schutzgebühr für den Hund fällig. Diese beträgt meist 150 – 250€. Damit werden die Kosten vom Verein abgedeckt (Tierarztkosten der Pflegestelle usw.) Du bist jedoch nicht berechtigt, den Hund weiter zu verkaufen oder zu verschenken. Dies dient zum Schutz des Hundes, damit keine dubiosen Geschäfte mit ihnen getrieben werden. Solltest du aus welchem Grund auch immer nicht mehr für den Hund sorgen können, dann musst du dich wieder beim Verein melden. Dieser sucht dann ein neues Zuhause für den Hund.

Hund aus dem Tierschutz

Jordi the Corgi – der schlauste Hund, den ich kenne

Damit solltest du jetzt einige notwendige Unterschiede zwischen einem Rassewelpen und einem Tierschutzhund kennen gelernt haben. Zur Sicherheit nochmals der Verweis zum Teil 1 dieses Blogposts. Beide Varianten sind völlig in Ordnung und du kannst bei beiden Möglichkeiten deinen Traumhund finden. Wichtig ist nur, die Möglichkeiten zu kennen, Informationen zu sammeln und danach zu entscheiden.

Ich kann euch die Variante über Pflegestellen und Animalhope nur empfehlen. Alle auf den Bildern befindlichen Hunde kommen aus diesem Verein. Vielleicht überzeugen euch die Bilder des Blogposts mehr, als meine ca. 1.233 Wörter.