10 Dinge, die sich ändern, wenn du einen Hund hast

Hund Jeremy

Wenn du einen Hund in dein Leben lässt, ändern sich einige Sachen. Du machst Dinge, die du vorher noch nie gemacht hast. Beschreitest Wege, auf denen du vorher noch nie gegangen bist und sprichst mit Menschen, mit denen du vorher noch nie ein Wort gewechselt hast. All dies passiert, wenn du mit einem Hund unterwegs bist. Viel Spaß beim Lesen des nicht allzu Ernst gemeinten Blogposts.

1 – Du lernst dein Viertel kennen

Du lebst vielleicht schon dein ganzes Leben in der selben Stadt. Aber seit du einen Hund hast, gehst du mindestens einmal am Tag durchs Viertel. Du lernst es dadurch im Detail kennen, jede kleine Veränderung fällt dir auf, nichts entgeht deinem Blick. Im Schlaf kannst du deine Spazierwege abgehen. Du weißt Dinge, über die du dir früher nie Gedanken gemacht hast. Wo kommt der nächste Mistkübel? Wo sind kleine versteckte Wege, fernab der Hauptstraßen? Wo wohnt welcher Hund? Wo gibt es den nächsten Gacki-Sackerl Spender und warum ist der schon wieder leer?! Wieso werden hier die Bäume gefällt? Wie schade, das alte Haus, das schon seit meiner Kindheit hier steht, wird abgerissen. All dies, was dir vorher vielleicht entgangen wäre, fällt dir jetzt auf.

2 – Das Leben der Anderen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er liebt den immer gleichen Kaffee, liest immer dieselbe Zeitung und geht wie ich, immer zur selben Uhrzeit mit dem Hund spazieren. Dadurch erkennt man mit der Zeit auch einstudierte Abläufe der Nachbarn: Du weißt, wann jemand in die Arbeit geht und ob er vielleicht schon etwas spät dran ist, da er eiligen Schrittes Richtung Straßenbahn läuft. Du kennst die eine Nachbarin, die immer zu selben Uhrzeit mit dem Rad losfährt, egal ob es regnet oder 10 cm Schnee hat und du dir nur denkst, “… mit diesen dünnen Reifen bei diesem Schneematsch…” oder den Ladenbesitzer, der immer dieselbe Routine durchgeht, um seinen Laden aufzusperren.

Mit der Zeit merkt man, dass nicht nur du die Leute beobachtest, sondern die Leute auch dich beobachten, du “patrouillierst” immer zur selben Zeit. An den Blicken erkennst du schon deren Gedanken,”…heute hat er wieder die rote Winterjacke an und die blaue Leine…”, “…gestern war wieder Championsleague Abend, die Ringe unter seinen Augen verraten, dass er nicht viel geschlafen hat..” oder “…mhh sieht der blass aus, sollte mal wieder in die Sonne gehen…”.

Wenn du merkst, dass dich die Leute beobachten und wiedererkennen winkst du freundlich zurück und marschierst weiter. In der immer gleichen Routine.

3 – Keiner kennt deinen Namen

Als ich eines Tages mit Jeremy wieder unsere übliche Guten Morgen Runde abschreite, laufen wir um eine Häuserecke und von weitem hört man schon: ” JAAAAA, da Jeremyyyyy!!” Freudig wird sich schon auf die Schenkel geklopft, Plastiksackerl mit Hundeleckerlies werden hervorgekramt und es wird in Bergrüßungsposition gegangen. Jeremy fängt ganz aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln an und möchte die letzen 10m im Eiltempo zurücklegen. Das Einzige, was dir in diesem Moment durch den Kopf geht ist, wer seit ihr, warum wisst ihr, wie mein Hund heißt und warum habt ihr Hundeleckerlies eingesteckt?!?

Sofort wird sich erkundigt, ob der Durchfall bereits besser geworden ist. Du merkst sofort, die meinen nicht deine Verdauung, sondern die deines HUNDES! Ob auch seine Verletzung am Fuß bereits besser geworden ist, möchten sie wissen. Du sagst, dass es DIR gut geht und dass du vielleicht etwas verkühlt bist und hoffst nicht schlimmer krank zu werden. An den Gesichtern, die nur auf den Hund gerichtet sind, erkennst du, dass es niemanden interessiert. Nachdem dein Hund ausreichend Zuwendung erhalten hat und auch die von Vier Pfoten vorgeschriebene Anzahl an Begegnungsleckerlies abgestaubt hat, verabschieden sich alle mit “… bis demnächst Jeremy…” und du hörst noch im weggehen die Worte die gewechselt werden “…so ein Lieber…” und du bist dir sicher, sie meinen nicht dich, keiner kennt DEINEN Namen. Macht aber nix, ich kenn auch nur Mala, Charly, Buddy und hab keine Ahnung wer die Menschen am anderen Ende der Leine sind…

4 – Welcher Wochentag ist, erkennst du an dem, was am Boden liegt

Eine Fähigkeit, die sich durch unzählige Hundespaziergänge herauskristallisiert hat, ist die Bestimmung des Wochentags durch Dinge, die am Boden liegen. Montag ist ganz klar der Energydrinkdosen Tag. Die Anzahl der weggeworfenen Dosen ist an diesem Tag am höchsten. Nach einem Wochenende mit zwei Tagen voller Alkohol und wenig Schlaf, dürften die Schüler, der in der Nähe befindlichen Berufsschule einen Energieschub notwendig haben.

Freitag erkennt man am Samstag Morgen danach. An diesem Tag ist der Spaziergang mit unserem Hund ein kleiner Spießrutenlauf. Du überwachst deinen Hund und bist immer drei Schritte voraus, um alles im Blick zu haben, vor allem……… das Erbrochene. Auf einer Strecke von ca. 1 km kommst du sicher an drei Stellen vorbei, wo sich einer nochmal alles durch den Kopf gehen hat lassen und das Schlimme daran ist, Jeremy liebt es! Toll, das hat schon jemand vorverdaut und für mich bereitgelegt.

Sonntag erkennt man ebenfalls am Sonntag Morgen danach. Selbes Szenario, wie Samstag Morgen. Ihr fragt euch jetzt sicher, wie wir den Freitag vom Sonntag unterscheiden können? Bitte die nächsten Zeilen überspringen, wenn du keinen gefestigten Magen hast.

Du erkennst daran, ob es Freitag oder Samstag ist, an dem, was erbrochen wurde. Leberkäse, Extrawurst oder Krakauersemmerl mit Gurkerl ist ganz klar Freitag. An diesem Tag kaufen sich viele tagsüber schnell im Geschäft eine Jause, die dann am Abend wieder zum Vorschein kommt.

Jedoch am Samstag sind die Mahlzeiten hochwertiger. Schnitzel, Schweinsbraten, Spaghetti oder ähnliches ist ein eindeutiges Zeichen für Samstag. Viele haben sich zu Hause auf den Abend vorbereitet und auch gut gegessen.

Tja, was soll ich sagen, als Hundebesitzer verschiebt sich so manche Ekelgrenze.

5 – Du vermeidest Geräusche

Vor dem Leben mit Jeremy war es oft ruhig zu Hause. Du machst Dinge einfach so, weil es grad passt oder weil es sich gerade so ergibt. Du richtest dir z.B. ein Käsebrot her und isst es gemütlich. Du öffnest abends ein Bier und machst ein Sackerl Chips dazu auf. Du bist verkühlt und schnäuzt dich mehrmals am Tag. Am Weg zum Auto grüßt du eine Nachbarin, während nebenbei wer anderer einparkt. Irgendwo ist ein Kind mit einem Weckerl unterwegs und am Gehsteig fahren Kinder mit Skateboards vorbei. Ganz normale Alltagsdinge? Von wegen…

6 – Käsebrot oder Chips essen

Naja, es ändert sich von Grund auf! Ein Käsebrot alleine herrichten und essen? Unmöglich, jedes Mal gibt es am Weg zu Kühlschrank Begleitschutz vom neuen Mitbewohner, auch wenn man sich nur ein Glas zu trinken herrichtet. In Jeremys Fall sieht das dann so aus, dass er sich sogar ganz brav hinsetzt, natürlich hinter einen, damit man fast über ihn drüber fällt, wenn man sich vom Kühlschrank wegdreht. Auch das gemütliche Essen ist vorbei. Jeremy schnorrt zwar nicht sehr aufdringlich, aber er sitzt neben dir und starrt dich so lange an, bis eventuell doch ein kleines Stückchen Käse für ihn abfällt.

Ein Sackerl Chips aufmachen geht schon, aber innerhalb einiger Millisekunden sitzt der Hund auf der Couch und starrt wie gebannt auf das Sackerl. Kann doch nicht sein, dass was raschelt und nicht für ihn ist?!?!? Generell wird jedes Rascheln mit Plastik zum Startschuss für den Hund, dabei ist es egal, ob es das eigene Taschentuch ist, das man auspackt, oder ob eine wildfremde Frau auf der Straße ein Taschentuch herausnimmt. Jeremy ist sofort zur Stelle, zeigt sein schönstes Sitz und wartet auf die Belohnung. Kommt sie nicht sofort, verfolgt er einen hin und wieder auch. Nur damit man ihn ja nicht übersieht.

7 – Begegnungen auf der Straße mit meinem Hund

Du kannst auf der Straße schon noch NachbarInnen grüßen, sie grüßen nur nicht mehr zurück, weil sie im Normalfall nur noch Augen für den Hund haben. Wenn du doch mal kurz zwei Sätze wechselst, musst du acht geben, dass Jeremy nicht in das nächste Auto springt, bei dem die Autotür aufgeht oder in einen offenen Hauseingang läuft. Wer weiß, welche Leckerlies sich da überall verstecken. Hin und wieder findet er ja auch was, wie z.B. Katzenfutter oder eine tote Taube – schmeckt alles köstlich!!!

8 – Kinder und Hunde, Hunde und Kinder

Bei einem so verfressenen Hund wie Jeremy lernt man, dass man gut auf Kinder achtet. Besonders vor Eingängen zu Kindergärten usw. Kinder haben tendenziell ständig etwas zu Essen in der Hand. Ist für Jeremy sehr praktisch, weil das Futter für ihn so auf Augenhöhe daherkommt. Die betroffenen Kinder und meistens auch die dazugehörigen Eltern finden es im Regelfall aber gar nicht lustig, wenn Jeremy sich da ungefragt bedient und mal den Vorkoster fürs Kind spielt.

9 – Skateboards

Skateboards? Was soll ich sagen, die Kinder drauf könnte man rein theoretisch einfach gut jagen. Kein Mensch weiß, was er machen würde, würde er mal wen erwischen. Wir vermuten er bellt und jagt Skateboardfahrer nur zum Spaß – ähnlich wie die Vögel, die im Weg sitzen, die werden einfach verscheucht.

10 – Der Mistkübel

Üblicherweise wurde am Vorabend der volle Müllsack unter der Abwasch hervorgekramt, oben zusammengebunden und ins Vorzimmer gelegt. Der Plan ist, diesen am nächsten Tag in der Früh mit hinunter zu nehmen.

Dies änderte sich schlagartig mit dem Einzug von Jeremy. Diesen oben besagten Müllsack legten wir nur mehr einmal am Vorabend heraus. Es ist bis heute nicht bekannt, welcher Geruch für Jeremy mehr verlockend war. Entweder die Kartoffelschalen oder doch die Plastikverpackung mit den Resten vom Faschierten. Der Müllsack wurde danach nie wieder am Vorabend herausgelegt.

Im Alltag lauern also ab sofort überall Abenteuer. Man rechnet einfach nicht ständig damit 🙂